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Pflanzliche Tumoren Und Das Krebsproblem

Bergmann Von Ludwig
Published 1964 · Biology

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Die Medizin bezeichnet als Krebs die Neubildung k6rpereigener Zellen und Gewebe, die sich durch die Tendenz zu schrankenlosem und ungeordnetem Wachsturn auszeichnen, das der Kontrolle des Organismus entzogen ist [1], Der Kern des Krebsproblems ist somit ein biologisches Problem: die Frage nach dem Regulationssystem, das fiir ein geordnetes Wachstum der Zellen und Organe verantwortlich ist und dessen Verlust zu dem ordnungswidrigen und unbegrenzten Waehstum der Tumorzellen ftihrt, und die Frage nach dem Mechanismus, der diesen Verhs t bedingt und damit den Krebs ausl6st. Von einer allgemeinen L6sung dieser Fragen sind wir heute noch weit entfernt. Wie jedoeh h~ufig bei biologischen Problemen k6nnen wir einer L6sung in Einzetfitllen n~ther kommen dureh die gliickliche Wahl eines Versuchsobjektes, das experimentell leieht zu handhaben ist und auf die an es gestellten Fragen in besonders klarer und eindeutiger Weise antwortet. Die Analyse eines derartigen Modellfalles kann uns zu Einsichten und Kenntnissen verhelfen, die sich an einem komplizierteren Objekt nicht ohne weiteres gewinnen lassen, die wir aber an diesem Objekt priifen k6nnen, sobald sie einmal an einem einfacheren Modell gewonnen und formuliert worden sind. Ein derartiges Modell fiir das Studium des neoplastischen Wachstums stellen die durch das Bakterium Agrobacterium tume/aciens an h6heren Pflanzen induzierten Wurzelhalsgallen dar, die im Englischen ,,crown galls" genannt werden [2e, 2/, 3, 4a, 20]. An diesen sind in den letzten Jahren eine Reihe von h6chst interessanten Ergebnissen fiber die Regulation des Wachstums and die Natur der Tumorentstehung erzielt worden, fiber die im folgenden berichtet werden soil. Die Wurzelhalsgallen sind neoplastische Wucherungen und Auswiichse, die sich in der Natur besonders an den Stengelbasen und Wurzelh~ilsen der befallenen Pflanzen finden und dort eine betrlichtliche Gr6Be erreichen k6nnen [20 b]. Sie sind jedoch keineswegs auf diese Stellen beschr~inkt, sondern lassen sich nahezu an jedem Organ der anf~tlligen Pflanzen durch eine Verwundung und Infektion mit Agrobacterium tume/aciens experimentell hervorrufen (Fig. t). Die Zahl der anf~lligen Pflanzen ist sehr groB; sie umfa3t f42 Gattungen aus 6t versehiedenen Familien [5]. Der Beginn einer Gallenentwicklung ist meist bereits wenige Tage nach der Infektion erkennbar. Fiir die weitere Entwicklung ist die Anwesenheit der Bakterien in den Geweben nicht notwendig. Die Bezeichnung Wurzelhals,,gallen" ist daher nicht ganz zutreffend, denn als Gallen werden ,,dutch einen fremden tierisehen oder pflanzlichen Organismus veranlaBte Bildungsabweichungen der Pflanzen bezeichnet, welehe eine Wachstumsreaktion der letzteren auf die yon dem fremden
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